Egbert Steiner feiert heute, am 5. August 2026, seinen 80. Geburtstag – und systemagazin gratuliert von herzen. Er gehört zu jener Generation von Systemikern, die das Feld der Familientherapie in den 1980er und frühen 1990er Jahren zu einem theoretisch anspruchsvollen Konzept weiterentwickelt haben, ohne dabei den Anschluss an die Praxis zu verlieren. Wer sein Werk heute wieder liest, merkt, dass seine Texte nichts von ihrer konzeptionellen Schärfe verloren haben.
Heute wird Eve Lipchik, die am 2. August 1931 in Wien geboren wurde, 95 Jahre alt – und systemagazin gratuliert von Herzen. An dieser Stelle ist schon zu früheren Gelegenheiten einiges zu Eve Lipchik veröffentlicht worden, u.a. ein großes Interview über ihr Leben, das Corina Ahlers und ich gemeinsam mit ihr 2014 führen durfte. Nach dem „Anschluss“ Österreichs floh sie als Kind einer jüdischen Familie mit ihrer Mutter in die USA und wurde später zu einer der prägenden Gestalten der lösungsfokussierten Kurztherapie. Zusammen mit Steve de Shazer, Insoo Kim Berg und anderen gehörte sie zum ursprünglichen Kreis am Brief Family Therapy Center in Milwaukee, aus dessen Arbeit die Solution-Focused Brief Therapy hervorging.
Im Juli 2026 ist Silvia Staub-Bernasconi in Zürich im Alter von 90 Jahren gestorben. Sie gehörte zu den wenigen Theoretikerinnen im deutschsprachigen Raum, die der Sozialen Arbeit ein eigenständiges wissenschaftliches Fundament zu geben versuchten. Geboren 1936 in Zürich, arbeitete Staub-Bernasconi zunächst als Sozialarbeiterin, bevor ein UNO-Stipendium ihr ein Studium in den USA ermöglichte. Nach der Rückkehr promovierte sie in Zürich zu sozialen Problemen, habilitierte sich 1996 an der TU Berlin und lehrte dort bis zu ihrer Emeritierung 2003.
Heute feiert Alois Hahn seinen 85. Geburtstag. Er studierte u.a. bei Theodor W. Adorno, Jürgen Habermas und Thomas Luckmann, hatte von 1974 bis 2009 er eine Professur für Soziologie an der Universität Trier inne und lehrte darüber hinaus auch an verschiedenen anderen Universitäten im In- und Ausland. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen in der Religionssoziologie, der Soziologie des Körpers, der Beichte und der Biografie, der Soziologie des Alltags und der Lebensführung. Seine Vorlesung zu Grundbegriffen und theoretischen Ansätzen der Soziologie, die Hahn Mitte der 1990er Jahre hielt, ist in der Autobahnuniversität im Carl-Auer-Verlag als 14teilige Audio-Serie erschienen. In der Ausgabe 50(4) der Zeitschrift Familiendynamik hat Stefan Beher diese Vorlesung 2025 gewürdigt. systemagazin bringt seinen Text aus Anlass des 85. Geburtstages von Alois Hahn, zu dem systemagazin herzlich gratuliert.
WIESBADEN – Im Jahr 2025 haben die Jugendämter in Deutschland rund 56 900 Kinder oder Jugendliche zu ihrem Schutz vorübergehend in Obhut genommen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) waren das 18 % oder rund 12 600 weniger Jungen und Mädchen als im Jahr zuvor. Bereits 2024 hatte es einen Rückgang der Inobhutnahmen um 7 % oder 5 100 Fälle gegeben. Damit ist die Fallzahl innerhalb von zwei Jahren um rund ein Viertel gesunken (-24 % oder 17 700 Fälle), nachdem sie zuvor drei Jahre in Folge auf knapp 74 600 Schutzmaßnahmen im Jahr 2023 gestiegen war.
Für viele überraschend, geht die „Zeitschrift für systemische Therapie und Beratung“ mit dem dritten Heft des 44. Jahrgangs in ihre Schlusskurve; das Heft trägt nicht zufällig den Untertitel „Aus der Vielfalt systemischer Praxis – ein vorletzter Blick“ und wird im Editorial ausdrücklich als vorletzte Ausgabe vor der Einstellung der Zeitschrift markiert. Über die Hintergründe dieser Entscheidung gibt es leider bislang keine öffentlichen Informationen. Ihrem Editorial stellt Herausgeberin Cornelia Tsirigotis meine Diagnose einer systemischen Identitätskrise voran, die „die Diskussionsanforderungen für das systemische Feld in den nächsten Jahren“ aufzeige und betont, dass auch Abschiede nur Übergänge und keine Endpunkte seien. Warum aber gerade die ZSTB auf diese Diskussionsanforderungen in Zukunft nicht mehr reagieren wird, bleibt (vorerst noch) im Ungewissen.
Damit geht traurigerweise ein besonderes Kapitel der Geschichte systemischer Fachöffentlichkeit zu Ende. Tsirigotis macht noch einmal deutlich, „was die ZSTB in den letzten Jahren ausgemacht hat: sehr unterschiedlichen Perspektiven Raum zu geben, vielfältige Themen und Arbeitsfelder zu Wort kommen zu lassen, ebenso erweiterte Blicke über den systemischen Tellerrand hinaus zuzulassen, das Methodenspektrum zu verbreitern und den Dialog zu fördern. Alles, was Praktiker*innen für ihre Arbeit nutzen können, wenn sie sich systemisch verorten und sich auf die „Spuren hilfreicher Veränderungen“ [Wolfgang Loth] begeben möchten“.
Die italienische Soziologin Rosalia Condorelli lehrt am Dipartimento di Scienze Politiche e Sociali der Universität Catania, wo sie unter anderem den Kurs Sociological Theories and Models of Complexity verantwortet. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt seit Jahren auf der Anwendung der Komplexitätstheorie und insbesondere der Systemtheorie Niklas Luhmanns auf soziale Phänomene – von Intimität und Geschlechterbeziehungen über Suizid bis zu kultureller Differenzierung in globalisierten Gesellschaften. In früheren Arbeiten hat sie etwa Durkheims Suizidstudie aus nichtlinearer Perspektive neu gelesen oder die „Morphogenese der Liebe“ im Übergang von Solidarität ohne Wahl zu Solidarität ohne Konsens untersucht. Ihr aktueller Aufsatz „Complex Social System Theory – The Systemic Meaning of Illness Pain in Contemporary Modern Society“, erschienen 2026 in Sociology Mind, fügt sich in dieses Programm ein und wendet das Instrumentarium der Systemtheorie nun auf Krankheitsschmerz an.
Das aktuelle Heft der Zeitschrift „Kontext“ widmet sich dem Schwerpunktthema „Beratungskontexte und Beratungssettings – systemisch betrachtet“. Für dieses Heft hat Martina Hörmann, Professorin an der Hochschule für Soziale Arbeit der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in Olten und Leiterin des Master-of-Advanced-Studies-Programms „Systemisch-lösungsorientierte Kurzzeitberatung“, die Herausgeberschaft übernommen und vier Beiträge zusammengestellt, die den titelgebenden Begriff aus unterschiedlichen Richtungen beleuchten.
Mit dem Tode von Hans-Christoph Vogel, der am 22. Juni 2026 im Alter von 83 Jahren verstorben ist, verliert die Soziale Arbeit einen Theoretiker, der zur Erweiterung professioneller Möglichkeiten wichtige Impulse aus konstruktivistischer Perspektive beigetragen hat.
Hans-Christoph Vogel gehörte zu jener Generation von Hochschullehrern, die in den 1980er und 1990er Jahren die Programmatik einer systemisch‑konstruktivistischen Sozialen Arbeit an der Hochschule Niederrhein mitentwickelt haben. Gemeinsam mit Theodor M. Bardmann und Heinz J. Kersting initiierte er in Mönchengladbach einen Diskurs über Konstruktivismus und Systemtheorie, der mehrere Studentengenerationen für erkenntnistheoretische Selbstreflexion und theoretische Präzision in der Sozialen Arbeit gewinnen konnte.
Der kritische Blick auf Diagnostik und Diagnosen gehört ins Zentrum des systemischen Ansatzes. Auch wenn dazu in den vergangenen Jahrzehnten schon viel geschrieben und veröffentlicht wurde, hat die Bedeutung des Themas seit der sozialrechtlichen Anerkennung der Systemischen Therapie nicht nachgelassen. Ganz im Gegenteil kann man vermuten, dass die nun bestehende Notwendigkeit, vermittels ICD-Diagnosen mit anderen Akteuren im Gesundheitssystem kommunizieren zu müssen, zu einer zunehmenden gewohnheitsmäßigen Anpassung nicht nur an die diagnostische Sprache, sondern auch an die dahinter liegende medizinische Krankheitslogik geführt hat. Das lässt sich auch durchaus in systemischen Ausbildungskontexten beobachten.
Die aktuelle Ausgabe der Familiendynamik ist daher erfreulicherweise dem Schwerpunktthema „Systemischer Umgang mit (Kinder-)Diagnosen“ gewidmet und versammelt dazu vier Beiträge, die das Spannungsfeld von psychiatrischer Diagnostik, systemischer Kritik und pragmatischer Orientierung ausloten. Diagnostik wird dabei weder schlicht verworfen noch als neutrale, folgenlose Fachsprache behandelt.
Noch ein Jubiläum: heute feiert Wolfgang Tschacher seinen 70. Geburtstag und systemagazin gratuliert von Herzen. Wir können einen Forscher würdigen, der zur Psychotherapiewissenschaft ganz wesentliche Beiträge zur Frage geleistet hat, wie therapeutische Prozesse im Detail verlaufen. Sein Perspektive ist dabei u.a. auf Aspekte wie Prozessdynamik, Verkörperung (Embodiment) und nonverbale Synchronie gerichtet, die er seit Jahren sowohl theoretisch als auch empirisch untersucht. Psychotherapie erscheint dabei als komplexes, leiblich vermitteltes und kontextabhängiges Geschehen, das sich nicht in einfachen Wirksamkeitsstatistiken erschließen lässt.
Heute, vor 110 Jahren, am 26. Juni 1916, wurde Virginia Satir geboren. Die Familientherapeutin, die als Pionierin und eine der bekanntesten Vertreterinnen ihres Fachs gilt, hat auf eine besondere Art gearbeitet. Aus Anlass des Jubiläums lohnt ein genauerer Blick auf einen Text, der die Techniken von Satir genauer untersucht hat. Er wurde 1989, ein Jahr nach ihrem Tod, im Family Networker veröffentlicht. Autor war Steve Andreas (1935-2018), bekannter US-amerikanischer NLP-Trainer und Autor des Buches „Virginia Satir: The Patterns of Her Magic (1991, auf Deutsch: Virginia Satir. Muster ihres Zaubers, Junfermann, 1994, nur noch antiquarisch zu erhalten).
In seinem Aufsatz „The True Genius of Virginia Satir“, der auch Eingang in sein Buch gefunden hat, hat er eine Analyse von Satirs therapeutischer Praxis verfasst. Andreas kannte Satir aus gemeinsamer Arbeit, war kein unkritischer Bewunderer, und sein Text war auch nicht als Nachruf gedacht, sondern als eine methodische Bestandsaufnahme.
Heute feiert Wolfgang Loth seinen 75. Geburtstag und systemagazin gratuliert von Herzen. Wer öfter im systemagazin blättert, kennt Wolfgang Loth seit langem – kein anderer Gastautor hat so viele Beiträge in den letzten 20 Jahren beigesteuert wie er, oft sind es Wiederveröffentlichungen von Texten aus den verschiedenen systemischen Fachzeitschriften. Wer diese Beiträge verfolgt, findet sich auf der Spur eines langjährigen Lektürevorgangs, einer schier endlosen Reihe von Rezensionen, Essays und kleineren Interventionen, die sich durch die Jahrzehnte ziehen und in ihrer Summe ein eigenes Bild des systemischen Feldes entwerfen.
Anstelle einer biografischen Würdigung (dazu gab es im systemagazin schon aus Anlass seines 60., 65. und 70. Geburtstages einiges zu lesen) bietet sich zu seine 75. Geburtstag vielmehr ein Blick auf diese besondere Form der Arbeit am Diskurs an, die sich in seinen Texten und Kommentaren verdichtet.